Radtour “Iberische Halbinsel”

30.04. – 10.07.2016

 

Teil 1 (Carsan/Südfrankreich bis Pamplona/Spanien)

Die erste Etappe von Carsan bis Sauve ist länger und anstrengender als ich erwartet habe. Dazu kommt, daß ich zum ersten Mal bei einer Radreise gleich am ersten Tag durch einen starken Regenschauer auf freier Strecke klatschnass werde. Dafür entschädigt dann die Unterkunft in einem alten Steinhaus inmitten eines Weinberges. Der zweite Tag bringt viele Steigungen mit sich in einer tollen Landschaft. Entlang einer Schlucht geht es auf einer wegen Steinschlag für Autos gesperrten Straße immer bergauf mit grandioser Aussicht. Der Preis dafür ist ein eiskalter Wind, der mich einige Male fast vom Rad holt.
Nach 72 km kann ich sturmerprobt in Le Caylar bei einem Dachgeber übernachten. Zwei Wanderer aus Hamburg – seit 10 Monaten unterwegs – sind auch hier. Auch der nächste Tag bringt mehr Steigungen, die mich zum Schieben zwingen, als erwartet. Über Cornus und Camares gelange ich schließlich in die Nähe von Belmont-sur-Rances, wo ich in einem Wohnwagen auf einer alternativen Schaffarm mein Haupt niederlegen kann. Etwas chaotisch ist es dort, um es vornehm auszudrücken. Mein Vorderreifen hat unterwegs schon Luft verloren, ich demontiere den Reifen und Schlauch, aber finde kein Loch.

Der folgende Tag bringt mich erstmals – meist schiebend – auf etwa 1 000 Meter Höhe im Parc Nationale de Haut Languedoc. Die Abfahrt bis Brassac – ein schöner Ort mit alter Steinbrücke – entschädigt für die Strapazen. Bei Noailac in der Nähe von Castres kann ich wieder bei einem Rad-Dachgeber die Nacht verbringen. Er bietet mir an noch einen Tag länger zu bleiben, was ich dankend annehme, denn ich brauche jetzt einen Ruhetag. Am nächsten Tag ist die Luft aus dem Reifen völlig entwichen und so schauen wir, Franck und ich uns die Sache genauer an. Das Ventil ist undicht, das heißt der Ersatzschlauch muss her. Diesen müssen wir erst kaufen, da mein Ersatzschlauch nicht richtig passt. Bei Sonnenschein mache ich mittags noch einen Spaziergang, ansonsten heißt es ausruhen und die weitere Route überlegen. Morgen geht es bis Lanta, etwa 20 km vor Toulouse und danach in Richtung Pyrenäen.

Etwa 20 km vor Toulouse übernachte ich wieder bei einem Rad-Dachgeber. Da er am nächsten Tag in der Nähe von Toulouse beruflich zu tun hat, nimmt er mich und mein Rad mit in die Innenstadt von Toulouse. Hier finde ich nach einigem Suchen einen Platz im Innenhof einer Anwaltskanzlei, wo ich mein Rad für die Zeit der Stadtbesichtigung “sicher” stehen lassen kann.

Viele kleine Gassen und Straßen mit diversen Monumenten und Plätzen sowie Brücken und die Basilika St. Serin sind die Dinge die ich mir anschaue, bevor ich bei einem Vietnamesen eine Stärkung vor der Weiterfahrt zu mir nehme. Die heutige Fahrt endet in Carbonne, einem Städtchen an der Garonne liegend. Nach Befragen einiger Passanten finde ich direkt am Ufer der Garonne einen frisch gemähten Platz, wo ich mein Zelt aufschlagen kann. Das Wetter ist super und hier habe ich meine Ruhe. Ich habe das Gefühl, mein Ziel liegt noch Lichtjahre entfernt ….

Nach etwas unruhigem Schlaf weckt mich ein buntes Vogelgezwitscher langsam auf. Auf einer Holzbank gleich nebenan frühstücke ich und schlage das Zelt ab. Ein Rentner mit Hund fragt nach “woher” und “wohin” und zieht den Hut (Chapeau). Diese mentale Stärkung verleiht mir neue Kräfte und die Fahrt führt entlang der verschneiten Berge der Pyrenäen zunächst bis Cazeres. Hier ist gerade ein bunter Markt und so nutze ich die Gelegenheit zum Essen einer Portion warmer Kartoffeln, obwohl es noch lange nicht Mittag ist. Aber es gibt wenige solcher Gelegenheiten und so muss man sie nutzen. Nach einem kurzen Bummel durch den schönen Ort folge ich einer “Garonne-Radwegbeschilderung” und die führt mich durch idyllische kleine Ortschaften. Frankreich zeigt sich hier wieder einmal von seiner schönsten Seite. In Saint Gaudens komme ich an einem Jazz-Festival auf der Strasse vorbei. Da ich noch ein Stück fahren will, halte ich mich aber nicht lange auf. Als ich einen Ladenbesitzer nach dem Weg frage, schenkt er mir eine Flasche Mineralwasser und ein Eis am Stiel. In Labarthe-Riviere bin ich bei einer Familie zu Gast, die mit Kind und Kegel schon halb Europa per Rad erfahren hat. Dementsprechend wissen sie was Gastfreundschaft ist und so fühle ich mich dort sehr wohl.

Viele lange Steigungen fordern alle Kräfte am folgenden Tag auf dem Weg über Barbazan, St. Bertrand-de-Comminges, Lourdes bis St. Pe-de-Bigorre. Wunderschön liegt der Ort St. Bertrand-de-Comminges mit seinen Ruinen aus der Römerzeit und der Kathedrale. Tolle Atmosphäre in dieser Kathedrale, Musik von “Enya” oder ähnlich – eine ganz neue Erfahrung in einer Kirche. Warum eigentlich nicht?

Der Col du Tourmalet, ein Klassiker der Tour de France ist nicht all zu weit von hier entfernt. Aber angesichts meiner doch erheblichen Zuladung am Fahrrad verzichte ich auf eine Befahrung….

Die längeren Anstiege vor dem bekannten Wallfahrtsort Lourdes reichen mir völlig.

Lourdes hat eine Dimension, die man kaum beschreiben kann, wenn man mit dem Rad dort ankommt. Was muss hier erst in der Hochsaison los sein? Sofort werde ich zurecht gewiesen als ich mit meinem Rad vor die Kirche fahren will. Ja – hier herrschen strenge Regeln! Ich mache eine kurze Besichtigung, denn es liegen noch einige Kilometer vor mir. An diesem Abend erreiche ich nach 92 km und nach langem Suchen das Haus meiner heutigen Dachgeber in St. Pe-de-Bigorre. Natürlich hoch oben gelegen mit Aussicht ins Tal ….

Der gestrige Tag steckt mir noch in den Knochen als ich der Routenbeschreibung meines Dachgebers folge, denn für diesen Teil der Strecke habe ich keine Detailkarte. Lestelle-Betharram mit seinem Kloster lohnt einen Aufenthalt und über winzige Ortschaften wie Arudy oder Buzy geht es meist ansteigend weiter. Die Pyrenäen lassen grüssen! Überall kreuzt hier der Pilgerweg nach Santiago de Compostela. Auf der Strecke ruhe ich mich gegen Mittag in einem Rugbystadion eine Weile aus. Oloron-Sainte-Marie ist mein heutiges Endziel. Hier übernachte ich bein einem jungen Radler oberhalb eines Musikclubs, der zum Glück heute nicht in Betrieb ist. Es ist eine Wohngemeinschaft und alles etwas chaotisch….

Nach dem Regen in der Nacht scheint bei meiner Abfahrt die Sonne. In Mauleon-Licharte halte ich meine Mittagsrast auf dem Gelände eines Schulhofes. In der Pause bin ich umringt von Schülern und Lehrern, die sehr viel Interesse zeigen. Das erlebt man nicht alle Tage, insbesondere was die Schüler betrifft. Beim “Abschied” ruft mir noch eine Schülerin nach, wenn ich zurück komme, soll ich doch wieder hierher kommen. Das beeindruckt mich doch sehr und so werden noch einmal Kräfte frei  beim Aufstieg zum folgenden Bergpass. Die Fahrt bis St. Jean-Pied-de-Port, einem Ausgangpunkt des Pilgerweges nach Santiago, zieht sich ewig und ich bin froh als ich dort einen Schlafplatz in einer Pilgerunterkunft finde. Zwei Santiago-Wanderer aus Italien, eine Frau aus Frankreich und eine aus Deutschland beginnen hier morgen ihre Wanderung.

Da mir heute die Überqüerung der Pyrenäen nach Spanien bevorsteht, bin ich schon vor 7 Uhr im Aufenthaltsraum und frühstücke was das Zeug hält. Der Himmel verspricht nichts gutes als ich losfahre. Und sofort danach geht es bergauf. Nach einer halben Stunde muss ich die Regenbekleidung anziehen, denn es fängt an zu regnen. Aufstieg und Regen, jetzt fehlt nur noch der Wind und der kommt auch bald. Also optimale Vorausssetzungen um den Pass “Puerta de Ibanela” zu überwinden. Bald ist Schieben angesagt. Zum Glück hört der Regen nach einiger Zeit wieder auf. Nach etwa 3 Stunden bin ich am höchsten Punkt: 1 057 Meter. Wer jetzt denkt es geht nur noch bergab täuscht sich gewaltig –  bald kommt noch ein Pass (880 Meter). Wie erwartet fordert dieser Tag alles. Später kommt als Entschädigung dann doch noch eine längere Abfahrt!

Kurz vor der spanischen Stadt Pamplona entscheide ich mich instinktiv nicht in der Stadt nach einer Übernachtung zu suchen, sondern einige Kilometer vorher. In Huarte finde ich nach Befragen einiger Leute sogar eine Pilgerunterkunft. Und diese Unterkunft – ein riesiger Schlafsaal – habe ich für mich allein! Der Herbergsvater ist total freundlich und hilfsbereit, ich kann eine Küche benutzen und so kaufe ich Pasta, Tomaten etc. noch schnell ein und esse an diesem Abend drei Teller voll!

Da ich vor Pamplona übernachtet habe ist es bis zu meinem Dachgeber in Macauco (bei Vitoria-Gasteiz) eine Mammutstrecke. In Pamplona halte ich nur kurz und die Ausfahrt aus der Stadt auf die kleineren Straßen ist sehr schwierig zu finden. Aber so ist Spanien. Über Zuhatzu, Arbizu, Bakaiku, Alaiza und an Alegria-Dulantzi vorbei geht es bis Matauco. Bei Km 80 kommen auch noch einige Steigungen. Schwierig die Streckenfindung, einmal lande ich kurz auf der Autobahn – es wird nicht das letzte Mal sein. Gegen 19 Uhr erreiche ich nach 110 km ausgepumpt das Haus eines jungen Dachgeber-Paars. Beide sehr ökologisch orientiert.

Teil 2 (Pamplona – Santiago de Compostela)

Die letzten Tage haben mich sehr gefordert, deshalb gibt es hier zwei Übernachtungen und einen Rad-Ruhetag. Da sich gelegentlich beim Essen ein Zahn immer wieder “gemeldet” hat, entscheide ich mich am nächsten Tag, dem “Ruhetag” einen Zahnarzt in Vitoria-Gasteiz aufzusuchen.  Sandra, die Frau von Iker, meinen Dachgeber fährt mich mit dem Auto zu “ihrem” Zahnarzt, bevor sie arbeiten geht. In der Clinica Dental nimmt man mich sofort an zur Behandlung. Das gesamte Personal ist sehr freundich. Die Ärztin spricht auch Englisch und nach zwei Röntgenaufnahmen steht fest, dass es nichts wirklich ernstes ist. Die Details würden hier jetzt zu weit führen. Als ich am Ende der Behandlung nach den Kosten frage, winkt die Ärztin ab! Sie gibt mir noch Zahncreme, einige Spezialbürsten zum Reinigen mit und das gesamte Personal begleitet mich zur Tür. Da fehlen mir fast die Worte! Nach dieser Erfahrung – eine ähnliche hatte ich bereits in Spanien auf meiner Tour nach Marokko erlebt – besichtige ich noch kurz die Stadt, allerdings regnet es. Sandra holt mich um die Mittagszeit wieder ab und wir fahren in ihr Haus zurück. Abends hilft mir Iker mit Tipps für die Weiterfahrt. Abendessen gibt es hier übrigens erst weit nach 21 Uhr. Nebenbei muss ich meinen Fahrradhelm noch reparieren, da der Hund im Haus eine Schaumstoffeinlage herausgebissen hat….

Mit leichtem Regen starte ich in den Tag. Victoria-Gasteiz wird zum Alptraum, denn ich finde die kleine Strasse, die mein Dachgeber empfohlen hat bis auf weiteres nicht. Trotz Befragen mehrerer Passanten. Aber was nützt das, wenn z.B. einer wie ein Wasserfall redet und ich am Ende sowieso nur die Hälfte verstehe? Vor einem Kreisel schaue ich auf meine Karte, als ein Busfahrer die Scheibe öffnet und mich fragt “wohin”. Dann schickt er mich auf die Autobahn. Das ist kein Witz. Da es keine andere Straße hier gibt, fahre ich, das Schild “für Radfahrer, Fussgänger usw. verboten” ignorierend auf den Standstreifen der Autobahn. Kein  Autofahrer hupt beim Überholen. Nach etwa 5 km kommt eine Ausfahrt und ich entdecke auf dem Schild einen Ortsnamen meiner Route. Also raus und dann finde ich die weitere Strecke. Denke ich zumindest. Doch als ich einen Bergpass von über 700 Metern überqueren muss, kommt mir das ganze “spanisch” vor.

Und als ich die Salzsalinen von Anana erreiche, erkenne ich, dass ich auf einer falschen Strecke unterwegs bin. Doch zum Glück führt diese Strecke parallel zu der vorgesehenen Route, nur mit mehr Anstiegen…

So erreiche ich doch noch nach 68 Kilometern den Bergort Pinedo und wie immer wohnen meine Dachgeber “ganz oben”. Ich schiebe das Rad hoch und der Empfang ist herzlich. Ich dusche sogleich und mein Dachgeber will mir eine versteckte Ortschaft in den Bergen zeigen, die nicht jeder kennt. Also noch eine kurze Wanderung! Doch die Gegend ist wirklich schön und er hat nicht zuviel versprochen. Und seine Frau holt uns von dort ab und es gibt noch per Auto eine Rundfahrt durch eine herrliche Gegend mit Wald, Felsen, Bächen und Höhlen. Dafür habe ich am Abend grösste Mühe mich bis zum üblichen Abendessen wach zu halten. Ich entscheide mich einen weiteren Ruhetag hier einzulegen. Ernesto und seine Frau haben nichts dagegen. Zudem ist das Waschen der Kleidung  notwendig und weiteres Kartenstudium.

Nach dem Ruhetag in Pinedo geht es am nächsten Tag weiter. Der Pass “La Horca” mit 902 Metern Höhe stellt die erste größere Herausforderung an diesem Tag dar. Die Aussicht ist allerdings atemberaubend. Dieser Pass ist übrigens – wie viele andere später auch – noch nicht einmal auf der Karte erwähnt. Anschließend führt die Fahrt parallel an einem Fluss entlang. Medina de Pomar ist ein einladender Ort und passt genau für die Mittagspause. Nach einer weniger schönen Strecke kommt danach aber wieder ein Landschaftshöhepunkt nach dem anderen. Puntedey zum Beispiel mit Häusern auf Felsen gebaut und einem idyllischen Fluss. Und weiter geht es wieder bergauf entlang eines Stausees am Ebro. Die Landschaft ändert sich – Viehweiden und kaum noch Dörfer. Mittlerweile reicht mir das Fahren und nachdem ich das zweite Mal gefragt habe, kann ich auf einem Grundstück hinter einem Haus mein Zelt aufschlagen. Abends entdecke ich in diesem kleinen Dorf namens Herbosa sogar eine kleine Kneipe und ich trinke noch ein Bier um das Warten auf die Dunkelheit zu überbrücken.

Als ich morgens aufstehe ist alles in Nebel gehüllt, das Zelt außen feucht. Ich bin wohl der erste der heute morgen hier im Dorf aufsteht. Es ist frisch und ich muss mich dick anziehen. Den Stausee, den ich der Länge nach entlang fahre, sehe ich wegen des Nebels fast nicht. Reinosa ist alles andere als schön, doch es bietet Gelegenheit mein Zelt in der Sonne zu trocknen. In Suano gelange ich auf eine Piste wie in Kolumbien. Überhaupt die Landschaft, die Berge – alles hat Ähnlichkeit mit Kolumbien, das fällt mir besonders auf. Und wie in Kolumbien ist auf dieser Piste bald schieben angesagt. Kurz darauf kommt wieder die asphaltierte Straße und die geht dann nur noch bergauf. Es kommt irgendwann eine Anhöhe, eigentlich ein Pass – auch hier sagt die Karte nichts dazu. Nach einer Pause mit Mittagessen in Salcedillo geht es gleich wieder hoch hinaus. Dafür gibt es dann eine lange Abfahrt (60 km/h). Anschließend wieder Steigungen. In San Cebrian de Muda fülle ich meine Wasserflaschen auf und am letzten Haus hinter der Kirche mit Blick auf die weite Landschaft und einen Fluss entdecke ich einen guten Platz zum Zelten. Im Ort selbst gibt es mehrere Nester mit brütenden Störchen. Diesmal schlage ich zuerst das Zelt auf, bevor ich mich wasche (eine 1,5 Liter-Flasche Wasser muss genügen) – und das war gut so, denn gleich danach kommt ein Regenschauer! Zum Glück hört es bald wieder auf mit dem Regen. Sogar eine Holzbank mit Tisch ist in der Nähe und so esse ich hier zu Abend.

Gegen 6 Uhr morgens friere ich im Zelt und muss mich dick einmummeln, trotzdem ist die Nacht bald vorbei und so baue ich schon gegen 7 Uhr das nasse Zelt ab. Es dauert lange bis ich heute morgen beim Fahren warm werde, der Wind ist kalt und ich bin einige hundert Meter über dem Meeresspiegel. Als ich in Guardo ankomme bin ich schon ziemlich müde. Ich esse etwas in einem großen Park und trockne wieder das Zelt und die Folie in der Sonne. Ich beschließe bis Cistierna weiter zu fahren, was leichter gesagt als getan ist. Am frühen Abend erreiche ich den Ort und entdecke ein Pilgerschild der Santiago-Wanderer. Also muss es hier auch eine Albergue für Pilger geben. Gar nicht so einfach diese am anderen Ortsende zu finden. Sie ist geschlossen, aber man kann den Herbergsvater anrufen. Das tue ich und muss lange warten bis er kommt – zu Fuß! Respekt!

Ich bekomme sogar ein 2-Bett-Zimmer und habe Küche und alle Räume wieder einmal für mich allein. Und das alles für nur 5 € ! Jetzt kann ich mir auch noch etwas warmes zu essen machen, nachdem ich kurz vorher noch einkaufen war. Am nächsten Morgen werfe ich wie vereinbart den Schlüssel in den Briefkasten und verlasse die Herberge. Gut, dass man hier noch so viel Vertrauen hat.

Bei der Weiterfahrt zeigt sich bald, dass ich gestern instinktiv richtig gehandelt habe und in der Herberge übernachtet habe. Denn es dauert fast eine Stunde bis das nächste Dorf auftaucht und das alles bei ansteigender Fahrt. Über La Ercina komme ich nach La Vecilla de Curüno – ein schöner Ort mit einem Storchennest auf dem Kirchturm. Später folgt eine lange Abfahrt, doch das werde ich später wieder mit einer langen Steigung “büßen” müssen. La Robla besticht durch ein die Landschaft verschandelndes Beton- sowie Kraftwerk. Die Stadt selbst passt sich diesem Bild nahtlos an. Früher gab es hier viele Kohleminen in der Gegend. Bei der Pause im Stadtpark merke ich, dass ich heute deutlich weniger Kraft habe als gestern.

Zum Glück bietet die Landschaft auf der Weiterfahrt wieder mehr als die Stadt. Treffe zum ersten Mal einen französischen Radler in der Gegenrichtung mit Minimalgepäck. Wow! Mit letzter Kraft erreiche ich nach 84 Kilometern Riello, wo ich gleich in eine Seitenstraße einbiege. Wunderschöne alte Villen stehen hier – alle verschlossen. Am Ende der Straße steht unten am Fluss ein renoviertes altes Steinhaus, ebenfalls verschlossen. Aber das Grundstück ist zugänglich und die Wiese dahinter bietet sich zum Zelten an. Sie liegt etwas tiefer als das Haus und somit ist mein Zeltplatz von außen nicht einsehbar. Nachts werde ich mehrfach wach – es ist kalt – ich muss mir mehr überziehen. Früh am Morgen packe ich wieder zusammen und das Gras und das Zelt sind nass. Nach dem Frühstück, das wegen der Kälte etwas schneller als sonst abläuft, geht es erst mal bergab. Erst bei den ersten Steigungen werde ich langsam wieder warm. Die Strecke zieht sich gewaltig in die Länge und erst in Rioscuro entdecke ich eine Bäckerei, wo ich etwas zur Stärkung kaufen kann.

In Villablino ruhe ich mich im Stadtpark aus, trockne wie schon üblich das Zelt und die Folie und ruhe mich aus. In der daneben sich befindenen Bibliothek gibt es Internet und so kann ich mir nochmal die weitere Route ansehen. Dann geht es wieder höher und höher bis auf 1 359 Meter (Puerto de Cerado). Danach eine super Abfahrt mit einer Höchstgeschwindigkeit von 71 km/h. Im zweiten Dorf Degana entscheide ich mich zu bleiben. Hinter einem Restaurant sehe ich eine Rasenfläche die dazu gehört und ich frage die beiden Wirtinnen, ob ich dort zelten kann. Spontan stimmen sie zu, was mich selbst überrascht. Ich baue das Zelt gleich auf und kurz danach beginnt ein Gewitter und es regnet über eine Stunde lang. Als ich anschließend nach Wasser für meine Flasche zum “Duschen” frage, schließt mir die eine Frau ein Zimmer auf und ich kann dort duschen: Seife, Shampoo und Handtuch inbegriffen. Das Zelt hat den Regen gut überstanden, nur eine kleine Stelle am Boden ist nass. Abends esse ich im Lokal und die Wirtinnen haben erkannt, dass ich Hunger habe, entsprechend groß und lecker ist die Portion. Man bietet mir sogar an, falls es wieder regnen sollte, dass ich im Haus übernachten könne. Dazu kommt es nicht, doch diese beiden Frauen haben ein gutes Herz.

Die Nacht war nicht so kalt wie gestern, nur das Zelt ist wieder einmal nass. Als ich vor 8 Uhr wieder losradle ist noch niemand im Wirtshaus wach, also schreibe ich ein paar Zeilen auf einen Zettel und schiebe ihn durch die Tür. Da ich noch nicht gefrühstückt habe, hole ich das im folgenden Dorf  (Rebollar) nach. Das habe ich mir auch verdient, denn nur mit großer Anstrengung kann ich das Rad die letzten Meter hoch zum Dorfeingang hochschieben. Als gerade eine Frau vorbei kommt, frage ich sie, ob sie mir etwas Milch geben könnte – sie bringt mir dann eine ganze Packung! Nach dieser Morgenerfahrung geht das Schieben weiter. Heute geht alles langsamer, die Straße ist auch deutlich steiler als bisher. Bald komme ich auf eine Anhöhe von über 1 000 Metern. Eine wirklich beeindruckende Landschaft mit Schluchten, Felsen, Bergmassiven, Tälern. Kaum Ansiedlungen entlang der Strecke. Fast kein Auto unterwegs. Vor Tormaleo kommt eine lange Abfahrt und ich überschreite mehrfach die zugelassene Höchstgeschwindigkeit…

Das Streckenprofil ist heute noch eine Stufe bergiger als sonst. Unterwegs treffe ich drei Frauen aus einem Dorf, die ursprünglich aus Rumänien stammen. Gute Erinnerungen an meine dortige Radtour werden wach.

Der letzte und einzige Ort wo ich heute übernachten kann ist San Antonin de Ibias und hier gibt es nur eine einzige Übernachtungsmöglichkeit. Etwas anderes entdecke ich nicht im Ort und zelten will ich heute nicht, denn es sieht nach Regen aus. Und als ich das Zimmer beziehe, fängt der Regen auch schon an. Nach 51 km Bergfahrt falle ich heute müde ins Bett.

Die Fahrt am Morgen beginnt noch harmlos, aber schon bald geht es wieder los mit dem Schieben. Dazu kommt noch ein Regenschauer und das an einer langen Steigung. Es gibt schönere Momente im Leben. Aber der Schauer dauert nicht lange – also wieder umziehen.
Marentes – tolle alte Häuser mit verwunschenen Gärten, wo auch das Gras mal etwas länger wachsen darf. Als ich glaube den höchsten Punkt erreicht zu haben, geht es erst recht noch höher. Ein ewiges Auf- und Ab. Ich bemerke, dass mein Vorderreifen wenig Luft hat. Das hatte ich doch schon einmal….Ich pumpe Luft auf. Doch wenige Kilometer weiter entweicht die Luft mehr und mehr. Vor einem überdachten Vorbau einer Kirche halte ich an und demontiere den Reifen. Diesmal ist es tatsächlich ein kleines Loch im Schlauch, aus dem die Luft entweicht. Also Gummilösung und Flickzeug, aufpumpen, aufmontieren und hoffen, dass es hält. Es hält, dafür schleift kurz danach die vordere Bremse. Nach einigem Hin- und Herzerren gibt sie wieder Ruhe. Dafür ist der Radständer dem Gewicht des Rades offenbar nicht gewachsen (er war aber von Anfang an sehr instabil und hat mir nicht gefallen). Also kein Abstellen mehr.

Die letzten 5 km bis A Fonsagrada – so heisst der Ort – werden fast zum Alptraum. Immer wieder eine Schleife um einen Berg – kein Ende in Sicht. Ich bin schon fast am Verzweifeln. Die Stadt liegt hoch oben auf einer Anhöhe. Ich muß das Rad mit äußerster Kraft in den Ort hineinschieben, so steil ist die Straße. Der Ort selbst – es ist Sonntag – ist wie ausgestorben. Hier gefällt es mir nicht, also hänge ich noch 15 – 20 km dran und finde eine Pilgerherberge bei Fontaneiro. Auf dem Weg dahin begegnet mir eine Pilgerin zu Fuß aus St. Petersburg in Russland. Sie hat ihr Zelt dabei.

Am folgenden Tag fahre ich 34 km bis in die Stadt Lugo (105 km von Santiago de Compostela entfernt), wo ich drei Nächte bleiben werde. Ich habe ein kleines Einzelzimmer in einem Wohngebäude, das auch als Herberge fungiert. Die Stadt selbst ist von einer begehbaren Stadtmauer umgeben. Endlich finde ich hier nach langem Suchen eine hoffentlich brauchbare Strassenkarte von Portugal.

Auch das Fahrrad bekommt in einem riesigen Fahrradladen einen neuen Ständer verpaßt – mal sehen wie lange dieser hält …

Den Weg aus der Stadt Lugo in Richtung Santiago de Compostela heraus finde ich überraschend schnell – den Wanderern nach Santiago folgend. Es gibt eine alte Straße, die nach Santiago führt und dieser folge ich. Leider hat sie immer wieder sehr kurze, aber steile Passagen. Nach etwa 30 km habe ich das Gefühl in die falsche Richtung zu fahren und so folge ich dann ab dem Ort Palas de Rei der Nationalstraße. Vielleicht hätte ich das gleich ab Lugo tun sollen, denn mir stehen noch einige Kilometer bevor. Nach einem kurzen Regenschauer – der Wind trocknet die Kleidung wieder sehr schnell – habe ich bald 80 Kilometer auf dem Tacho und werde allmählich müde. Doch erst nach 109 Kilometern ist für heute Schluß und ich finde recht schnell in Santiago de Compostela ein Cafe mit Zimmervermietung in der Nähe des Zentrums. Nach dem Duschen laufe ich in die Stadt, die nicht nur durch ihre außergewöhnliche Kathedrale beeindruckt. In der Kathedrale befindet sich u.a. der “Jakobspilger” mit der typischen Muschel. Und wer diesen umarmen kann, hat sein Ziel erreicht. Das habe ich bis auf weiteres auch nach  1 726 km Fahrt mit dem Rad von Carsan (Südfrankreich) aus. Drei Wochen und 4 Tage war ich bis dahin unterwegs.

Teil 3 (Santiago de Compostela/Spanien – Lagos/Portugal

Nach einem ausgiebigen Frühstück in einem Park in Santiago verlasse ich die Stadt und folge der Nationalstraße in Richtung Pontevedra. Den vielen Auto- und LKW-Verkehr bin ich gar nicht mehr gewöhnt. Verwirrende Beschilderung dann in Pontevedra und ich lande wieder einmal auf der Stadtautobahn. Nach etwa 3 km ist das Autobahnabenteuer zu Ende und eine Ausfahrt führt genau auf die Nationalstraße, wo ich hin wollte.

Vor Caldas de Reis zwei lange Steigungen und hier merke ich deutlich die lange Strecke von gestern. Im Ort selbst genehmige ich mir eine ausgiebige Mittagspause unter schattigen Bäumen. Arcade liegt schön am Meer, der Blick reicht bis in die Bucht von Vigo. Leider zerschneidet die Nationalstraße den Ort und die Landschaft. Zu meiner Überraschung gibt es hier zwei Pilgerherbergen. Eine ist komplett belegt, aber in der anderen bekomme ich ein 2-Bett-Zimmer für mich allein. Die Aussicht von hier oben ist fantastisch.

Nach dem Frühstück in der Herberge sind es noch 8 km auf der Nationalstraße bis Redondula. Dort herrscht totales Verkehrschaos. Ich entkomme dem ganzen, in dem ich ungeniert einige Einbahnstrassen nutze und dann sogar auf Anhieb den weiteren Weg in Richtung Pazos de Borben finde. Schon bald ist wieder schieben angesagt. Noch bevor ich auf einer Anhöhe bin, bemerke ich wieder Luftverlust am vorderen Reifen. Es hilft nichts, aber beim nächsten Weg abseits der Straße muss ich das Vorderrad demontieren. Im Schlauch finde ich das Loch nicht, aber der Reifen hat einen winzigen Eisenspan, den ich nur mit Mühe herausziehen kann. Ich ziehe den Ersatzschlauch auf und später in einem Dorf hilft mir ein Mann das Loch zu finden. Dort kann ich dann den Schlauch flicken. Nach Pazos de Borben kommt eine lange Abfahrt bei der ich mich voll konzentrieren muss. Weingärten, Gemüsegärten, alte Steinhäuser. Ich weiss gar nicht wo ich überall hinsehen soll. Die Strecke führt weiter in Richtung Portugal.

Der Übertritt nach Portugal über den Rio Minho bei Salvaterre de Minho ist unspektakulär. Lediglich ein Hinweisschild “Portugal 500 m” ist alles. Aber lieber so, als den ganzen Visa- und Kontrollkrampf, den ich auch schon genügend erlebt habe. Im ersten Dorf Moreira in Portugal frage ich bei einer Frau, ob ich in einem leer stehenden Lagerraum übernachten kann. Sie lehnt ab. Ich laufe die Straße hoch und hier ist ein Haus schöner als das andere. Auch hier frage ich eine Frau an der Haustür, ob sie einen Platz irgendwo auf dem Grundstück hat. Sie ruft ihren Vater, der etwas Französisch spricht und er zeigt mir in einem Schuppen einen LkW mit Strohballen auf der Ladefläche. Ich zögere nicht lange und nehme das Angebot an, denn draussen sieht es nach Regen aus. Die Frau bringt mir noch Wasser, eine Waschschüssel und Brot und eine Dose Fisch. So verbringe ich die erste Nacht in Portugal auf der Ladefläche eines LKW!

Es regnet die ganze Nacht und erst nach 8 Uhr morgens hört es auf. Ich bin etwas müde und seit gestern läuft mir auch die Nase. Und dann setzt nach 20 Kilometern Fahrt ein richtiger Landregen ein. Trotz Regenkleidung bin ich bald klatschnass. Nach 30 Kilometern Fahrt erreiche ich den Ort Arcos de Valdevez. Ich muss mir hier ein Zimmer suchen, eine Weiterfahrt macht keinen Sinn mehr. Ich finde schnell das Touristenbüro und man versorgt mich mit einigen Adressen. In einer “Residencia” (kleines Hotel) bekomme ich ein Zimmer mit Frühstück für 20 €. Dort entdecke ich auch einen elektrischen Heizkörper und das ist genau das was ich brauche, um meine nassen Sachen zu trocknen. Den ganzen Tag über folgt ein Schauer dem anderen und nur mit Glück gelingt es mir einmal trockenen Fußes zum Essen in die Stadt zu gehen. Morgen soll es auch nicht viel besser sein mit dem Wetter….

Und so ist es auch – schon beim Frühstück regnet es. Ich beschließe daher eine “Zwangspause” einzulegen und noch eine Nacht hier zu bleiben. Aber das ist auch mal gut so, dann kann ich endlich Dinge erledigen, die sonst zu kurz kommen. Gestern hatte ich beim Einfahren in die Stadt ein Schwimmbad entdeckt und so nutze ich heute die Gelegenheit meine müden Beine und Arme zu erholen. Sogar ein Jacuzzi gibt es!

Nach dieser Entspannung esse ich ein Tagesmenü mit Suppe und Dessert für 6 € und rechtzeitig vor dem nächsten Regenschauer erreiche ich das Hotel. Gegen Abend zeigt sich sogar wieder die Sonne.

Ich packe das Rad noch vor dem Frühstück, frühstücke anschließend und fahre dann in Richtung der Stadt Braga los. Einige, aber gut fahrbare Steigungen liegen auf dem Weg. Um nicht wieder auf die Autobahn zu gelangen, fahre ich über Prado. Danach viel Verkehr und schon vor der Stadt Braga muss ich schieben. Die Einfahrt in die Stadt dauert ewig, steile Strassen und Verkehr. Endlich komme ich in die Innenstadt, wo ich das Rad bei einem Restaurant abstellen kann und zu Fuß die Stadt erkunde. Viele Kirchen, Paläste, historische Gebäude und Menschengewimmel. Nach dem Essen auf einer Parkbank fahre ich weiter bis Guimaraes. Dort dauert es sehr lange bis ich das Touristenbüro, das sich gut versteckt hat, finde. Die Stadt ist sehr schön und ich habe auch schon 70 Kilometer hinter mir, so dass ich mich entschließe hier die Nacht zu verbringen. Die passende Übernachtung zu finden ist allerdings gar nicht so einfach. Schließlich gelange ich zu einem privaten Hostel, relativ neu und super ausgestattet. Ein sehr nettes junges Paar betreibt das Hostel und ich bin der einzige dort (Schlafsaal).

Abends esse ich in der Stadt und jetzt ist das Licht besonders schön für Fotos. Insbesondere die Häuserfassaden und Balkone sind hier sehenswert. Gestern abend hatte ich mir noch mit “Google” den Weg aus der Stadt zu recht gelegt. Doch die Wirklichkeit sieht immer anders aus – ich verfahre micht total und umrunde die Stadt, die leider viele Höhenzüge aufweist. Der Verkehr ist später auch dichter, der Grossraum Porto lässt grüssen. Figueiras ist häßlich, ich fahre gleich weiter.

Die nächste Station Amarante ist da schöner: am Fluss liegend mit einer Klosterkirche und Kreuzgang und alten Häusern. In Flussnähe ist ein Park, wo ich mich hinlege und ausruhe. Es ist sehr warm heute und das merke ich vor allem beim Schieben. Aber daß ich dann später etwa 7 km überwiegend schieben muss, hätte ich mir vorher nicht träumen lassen. Und die Kurven scheinen kein Ende zu nehmen. Als ich schon glaube am “Gipfel” zu sein – ist das ein Trugschluß und ich muss meine letzten Kräfte mobilisieren. Als ich endlich oben bin folgt eine lange Abfahrt mit Haarnadelkurven, da bleibt mir manchmal die Luft weg. Und das Ende der Abfahrt (bei 55 km/h) ist dann eine Brücke mit Kopfsteinpflaster….

Ich bin in Mestao Frio und weiterfahren kann ich nicht mehr – also muss ich hier einen Platz zum Schlafen finden. Da das Wetter gut ist und ich heute auch zelten wollte, suche ich mir einen etwas abgelegenen Platz, fülle vorher noch meine Wasserflaschen auf und baue nach dem Essen mein Zelt zwischen einigen Bäumen auf. Es ist heute spät geworden wegen der langen Aufstiegsphase und so bin ich froh, dass es bald dunkel wird.

Nach dem Zeltabbau in aller Frühe gibt es das übliche Frühstück in einem Park und danach geht die Fahrt oberhalb des Douro-Flusse weiter bis Paso de Regua. Das Morgenlicht verzaubert die Landschaft und die Weinberge am Fluss noch mehr – eine Landschaft mit steilen Hängen, ähnlich wie an der Mosel. In Paso de Regua ist gerade Markt und eine Gelegenheit zum Entdecken und Einkaufen. Vor allem jetzt Obst!

Von Paso de Regua aus geht die Fahrt durch ein Flußtal mit Weinbergen an den Hängen bis Folgosa. Danach gibt es wieder einige Anstiege zu bewältigen, ich komme richtig ins Schwitzen. Am frühen Abend erreiche ich den Ort Sao Joao da Pesquiera. Neben einer Sporthalle fällt mir gleich ein Platz zum Zelten auf. Ich frage einige Leute in der Sporthalle, ob ich hier zelten kann – man verweist mich auf den “Chef” der bald kommt. Also esse ich erst mal etwas und als der “Chef” dann kommt erzähle ich ihm von meiner Tour und wenn ich morgen frühzeitig wieder wegfahre, sei es kein Problem mit der Übernachtung. Er bietet mir sogar an, die Duschen in der Sporthalle zu benutzen, was ich natürlich nicht ablehne. Ein kleiner Rundgang durch den Ort rundet diesen Abend ab.

Am frühen Morgen baue ich das Zelt ab und frühstücke im nahe gelegenen Park. Die Landschaft auf der weiteren Fahrt ändert sich allmählich: Oliven, Wein und viele Mandelbäume. Am Ende eines Dorfes fährt gerade ein junger Mann Skateboard als ich vorbei komme. Er spricht mich an und bietet mir an, mich mit dem Auto ein Stück mitzunehmen. Nach etwas Überlegung nehme ich das Angebot an und wir verstauen die Packtaschen und das Rad im Auto. Er fährt mich bis nach Touca und von hier aus ist die weitere Strecke für mich etwas anders als geplant. Es geht erst einmal nach Meda – ein recht großer Ort mitten in der “Pampa”. Da sich der Hunger bei mir meldet, gehe ich in ein Restaurant und während ich auf der Terrasse Fisch esse, lasse ich auf dem Zaungeländer gegenüber mein Zelt und die Folie von der Sonne trocknen. Auf der Weiterfahrt komme ich nach Marialves mit einer mächtigen Burganlage und Häusern aus früherer Zeit. Das Rad lasse ich unten an der Straße stehen und laufe durch das Dorf und die riesige Burganlage mit Kirche. Nach der Besichtigung muss ich eine lange Strecke auf Kopfsteinpflaster schieben – Fahren unmöglich. Danach geht es auf einer Nebenstrecke parallel zur Autobahn, bevor ich in eine andere Richtung abbiege.

Das erste Dorf auf dieser Strecke ist Cotimos und es gefällt mir gleich, so daß ich beschließe hier zu übernachten. Ein kleiner Fußballplatz mit Rasen neben dem ehemaligen Dorfwaschplatz wäre der ideale Platz. Ich frage einige Männer, die gerade beim Boulespielen sind, ob das möglich wäre. Niemand hat etwas dagegen. Also bleibe ich hier und schlage das Zelt wenige Meter neben dem Tor auf. Waschen ist kein Problem auf einem brach liegenden Grundstück hinter einer Mauer. Ich frage zwei ältere Frauen, ob es hier im Dorf etwas zu essen gibt, z.B. Kartoffeln oder ähnliches. Es gibt keinen Laden und kein Restaurant mehr. Als ich meine Sachen für die Nacht im Zelt richte, bringt mir ein sichtlich behinderter Mann eine Tüte voll mit Kartoffeln… Leider kann ich damit nichts anfangen, aber ich bin beeindruckt. So endet ein Tag voller Überraschungen.

Auf schmaler, schlecht asphaltierter Strecke und viel bergauf geht es am nächsten Tag zuerst nach Santa Enfermia – in keinem Prospekt verzeichnet, aber ein sehr schöner Ort ohne Touristen. Pinhel erscheint am Anfang wenig einladend, aber das Zentrum mit der Burg ist sehenswert. Wieder lasse ich das Rad unten stehen und laufe auf Treppenwegen hoch. Überall werden Stände aufgebaut für ein Mittelalterfest am Wochenende. Nach dieser eigentlich nicht vorgesehen Besichtigung geht es weiter und wie so oft ist das letzte Stück das schwierigste. Nach 90 km erreiche ich Sabugal und da es schon nach 19 Uhr ist, entschließe ich mich im Ort ein Zimmer zu nehmen. Vom Balkon aus blicke ich auf die Burg.

Nach dem Müsli-Frühstück auf dem Zimmer folgt das Frühstück im Hotel und dann packe ich das Rad und fahre los. Nach der ersten Steigung noch im Ort bemerke ich, daß ich den Fahrradhelm im Hotel vergessen habe. Ich fahre zurück und da liegt er noch unversehrt an seinem Platz. Also nochmals ein neuer Start. Entlang Wiesen, Felder und viel Brachland geht es zunächst wieder mal hoch und danach zwei lange Abfahrten! An einer Steigung vor Penamacor treffe ich eine “”Wwooferin” zu Fuß aus Deutschland. Steil geht es hoch zum Ortszentrum! Auf der Terrasse eines Restaurantes esse ich zu Mittag. Internet funktioniert hier besser als gestern Abend im Hotel.

Der Ort gefällt mir viel besser als Sabugal. Auch hier eine Burg, verwinkelte Gassen und fast keine Touristen. Am späten Nachmittag fahre ich dann weiter, am Anfang bergab und später – na, wie immer…

Escalos de Cima ist der letzte Ort vor der größeren Stadt Castelo Branco und so muss ich hier einen Übernachtungsplatz finden. Gar nicht so einfach, alles ist dicht bebaut, doch nach einigem Fragen schickt man mich zu einem Sportstadion am Ende des Ortes. Das Tor ist nicht verschlossen und neben dem Sportplatz, der allerdings auch schon bessere Zeiten gesehen haben dürfte, gibt es einen einigermaßen ebenen Platz, wo ich mein Zelt aufschlage. Der Boden ist allerdings so hart, dass ich die Heringe kaum befestigen kann. Doch es ist kein Wind, so daß ich keine Angst haben muß, daß das Zelt wegfliegt. Es gibt sogar noch einen funktonierenden Wasseranschluß, so daß heute die 1,5 Liter-Dusche beliebig erweitert werden kann.

Als ich heute morgen die Zeltstangen zusammenklappe reißt ein elastisches Verbindungsseil. Mit großer Mühe gelingt es mir es wieder zu verknoten und zu hoffen, daß es noch eine Weile hält…

Nach diesem kleinen Schock am frühen Morgen fahre ich nach dem obligatorischen Frühstück im Stadion los und treffe kurz danach in der Gegenrichtung einen australischen Radler von der Insel Tasmanien. Wir unterhalten uns eine Weile und tauschen Tipps aus, bevor ich dann die Stadt Castelo Branco erreiche. Nach einem kurzen Rundgang und einer Pause dauert es wieder sehr lange bis ich den richtigen Weg und die richtige Straße aus dem Ort heraus finde. Inzwischen ist es deutlich wärmer geworden und die kleinste Steigung treibt den Schweiß aus allen Poren. Als ich in Nisa ankomme und im Touristenbüro nach der Uhrzeit frage bin ich völlig überrascht – schon bald 18 Uhr – damit habe ich nicht gerechnet. Da ich sehr müde bin, nehme ich mir heute ein Zimmer.

Heute geht alles eine Stufe langsamer. Mit Karte und der guten Erläuterung eines Mannes folge ich einer Nebenstrecke wie aus dem Bilderbuch. Kein Verkehr, idyllische Landschaft, Menhire unterwegs, Blick auf einen Stausee, Störche bei der Futtersuche. Castelo de Vide liegt an einem Hang, ganz oben die Burganlage mit Wohnviertel. Wie auf einer Postkarte. Unten liegt ein Park mit Bäumen, die Schatten spenden. Hier lasse ich mein Rad stehen, ziehe mich um und besichtige gemütlich den Ort. Überall vor den Häusern Blumen in Töpfen, Sträucher, bunte Farben. Mein Entschluß für heute steht schnell fest – hier verbringe ich auch die Nacht.

Ich baue gegen Abend das Zelt in diesem Park auf. Kaum steht es kommt eine Frau und zeigt auf den Rasen und ständig fällt das Wort “aqua”. Nach einer Weile wird mir klar was sie meint – das Gras wird nachts bewässert! So ein Mist – jetzt habe ich ein Problem, es sei denn ich will unbedingt testen, wie wasserdicht mein Zelt ist. Darauf will ich es aber nicht anlegen. Also bleibt mir nur noch die Möglichkeit das Zelt unter einer überdachten Grillterrasse auf den Betonboden zu stellen – es passt gerade so dahin. Als ich mich bereits im Zelt befinde und es schon dunkel geworden ist, gehen die Sprenkleranlagen los. Von der Seite bekommt das Zelt doch noch Wasser ab, also muss ich das Zelt noch einmal etwas drehen – ich hatte mir einen ruhigeren Abend vorgestellt….

Etwas verschlafen fahre ich am folgenden Morgen weiter nach Marvao und das heißt eine längere Strecke vor dem Ort das Rad hochschieben. Marvao thront hoch oben auf einer Anhöhe und ist der höchstgelegene Ort hier. Und im Ort selbst geht auch nur schieben – Kopfsteinpflaster. Also lasse ich das Rad unter einem Dachvorsprung im Schatten stehen und schlendere durch den Ort und die imposante Festungsanlage mit traumhafter Aussicht auf die Umgebung bis nach Spanien.

Die Sonne brennt heute und so bin ich für den frischen Fahrtwind bei der rasanten Abfahrt vom Ort hinunter dankbar. In Portoalegre finde ich am Ortseingang ein Lokal wo ich mich mit Bratkartoffeln, Gemüse und Eiern richtig stärken kann. Das ganze für gerade mal 4 € inkl. Getränk.

In der Stadt stelle ich das Rad ab und mache den Stadtrundgang wieder zu Fuß. Es ist sehr warm und das Laufen fällt schwer. Nach der Besichtigung der Stadt mit der imposanten Kathedrale geht es dann wieder auf die Landstraße, meist bergab und mit Rückenwind. Die nächsten 20 km kaum ein Dorf. Und Viehweiden, d.h. alles eingezäunt, kein Platz zum Zelten zu finden. In Arronchos installiere ich das Zelt etwas versteckt hinter einem Kulturzentrum. Mehr Alternativen gibt es heute nicht. Heute Nacht muß ich den Zelteingang komplett auflassen, damit etwas Luft hereinkommt, sonst ist an Schlaf nicht zu denken.

Gegen 6.30 Uhr am Morgen baue ich das Zelt ab und frühstücke im nahen Park. Schon jetzt ist es sehr warm. Auf der Strecke sehe ich wieder Nester von Störchen und in Sao Romao mache ich Mittagspause und trockne wieder Zelt und Folie. In einem Cafe mit Wifi finde ich die Adresse eines  Rad-Dachgebers bei Redondo und ich rufe dort einfach mal an. Und tatsächlich ich kann heute abend kommen. Bis dorthin ist es aber noch ein ganzes Stück zu fahren und es geht erst mal wieder bergauf. Über den schönen Ort Vila Vicosa erreiche ich endlich gegen 18 Uhr Redondo, wo ich meinen Proviant in einem Supermarkt auffülle und vor allem den Wasservorrat. Jetzt sind es noch drei Kilometer bis zu meinen Dachgebern. Sie wohnen in einer Quinta direkt neben einem Weinberg. Ein junges Paar. Sie ist aus Ungarn und er Portugiese. Und die Ungarn wissen sowieso was Gastfreundschaft ist – so werde ich auch behandelt. Abends grillt Paolo noch Sardinen am Holzfeuer. Als man mir sagt, dass es heute 37 Grad waren, schwitze ich noch ein bisschen mehr…

Nach dem gemeinsamen Frühstück im Haus geht es wieder los. Die Strecke nach Evora ist anspruchsvoller als ich dachte. Die Hitze und die vielen Steigungen lassen die 36 km länger vorkommen als sie sind. In Evora gehe ich gleich zur Touristinformation und decke mich mit einem Stadtplan ein. Das Rad stelle ich auf dem Gelände eines Laboratoriums unter einem Vordach im Schatten ab. Es gibt viel zu sehen in Evora: Kathedrale, Kirchen, Äquadukt, Mauerbefestigung – aber in den verwinkelten Gassen kann man sich leicht verlaufen. In einem Selbstbedienungs-Restaurant finde ich Nudeln und Tomaten/Schafskäsesalat – das passt und so “haue ich richtig rein”.

Nach 15 Uhr fahre ich wieder los und zwar mit Kurs Richtung Westküste, denn etwas Wind vom Meer wäre mir jetzt sehr recht. Bei Valverde probiere ich das “Unmögliche”. Vor 12 Jahren habe ich im “Haßlocher Wochenblatt” einen Artikel gelesen über einen Mann aus Haßloch der aus diversen Gründen nach Portugal (Valverde) “ausgewandert” ist und dessen Geschichte mich sehr beeindruckt hat. Da ich selbst in Haßloch geboren und auch dort mehrere Jahre gelebt habe, will ich ihn besuchen. Also frage ich in einem Laden im Ort nach dem “Deutschen aus Germania”. Ich weiß nur noch den Nachnamen. Man schickt mich zu einer Quinta am Ortsausgang. Vor einem verschlossenen Tor treffe ich einen Arbeiter. Er will mir den Mann vorbei schicken. Nach kurzer Wartezeit kommt ein Mann im Arbeitsanzug. Schon von weitem erkenne ich das Gesicht, das sich gegenüber dem Foto in der Zeitung wenig verändert hat. Ich erzähle ihm von dem Zeitungsartikel und meiner Fahrt und frage nebenbei, ob ich eine Nacht auf dem Grundstück zelten könne. Am Ende kann ich in einem Wohnwagen schlafen! Er zeigt mir das riesige Grundstück neben einem Bachlauf, den Garten, das Haus und abends kann ich mit der Familie und den Kindern mitessen. Auch das Bad steht mir zur Verfügung. Der Sohn macht zum Nachtisch leckeres Eis mit Erdbeeren….

Nach dem Frühstück bei “Uli” im Haus fahre ich zunächst ohne meine Packtaschen mit dem “nackten” Rad nach Almendres. Die letzten drei Kilometer auf einer ansteigenden Piste. Dort befinden sich Monolithen/Steinkreise. Noch sind keine Touristen hier, niemand kassiert hier Eintritt.

Das gleiche in der anderen Richtung: “Anta Grande de Zambujero”, hier eine überdachte Grabstätte. Nach diesem Ausflug von etwa 20 km heißt es wieder Gepäck aufsatteln und nach der Verabschiedung von der Familie weiter radeln. Es fährt sich schnell heute, teilweise mit Rückenwind. Wenige Orte entlang der Strecke, auch wenig einladend, ziemlich herunter gekommen. In dem winzigen Nest Mil Brejos Batao ist nach 92 Kilometern endgültig Schluss für heute. Von einem kleinen grünen Park nehme ich Abstand und ziehe eine vertrocknete Grasfläche vor…

Es ist auch heute warm, aber der Wind macht es erträglich. Über Grandola komme ich nach Melindes. Die Landschaft ist bereits mediterran, viel Sandboden. Kein Wunder ich bin am Meer an der Westküste Portugals! Von Melindes aus ein kilometerlanger Sandstrand! Das Wasser allerdings recht kalt und eine hohe Brandung. Von hier weiter zu fahren fällt gar nicht so leicht und da in der Nähe ein Campingplatz ist, schaue ich mich dort mal um. Aber der Platz ist mir viel zu groß und voll mit Dauercampern, Wohnwagen, Vorzelten. Und die Fläche zum Zelten ist auch nicht besser als irgendwo in der “Pampa”. So fahre ich weiter. An der nächsten Kreuzung treffe ich in der Gegenrichtung einen Fernradler aus Italien. Er fährt Richtung Lissabon und kommt von Südspanien. Am Ende tauschen wir Adressen aus und er lädt mich zu seinen Eltern, die ein B & B Haus betreiben, nach Sardinien ein…

Ich fahre bis in die Stadt Santiago da Cacem. Vor dem Haus einer caritativen Einrichtung wäre ein guter Platz, aber die Schwestern trauen sich nicht “ja” zu sagen und so fahre ich weiter. Vor dem Ortsende-Schild führt ein Weg nach rechts in die Felder und den Wald. Ich folge dem Weg und vor einem Grundstück ist eine kleine Fläche mit Gras – hier ist der Platz für heute nacht. Gratis ist der Ausblick auf die Stadt und die Burg. Der Blick erinnert mich an einen ähnlichen Platz vor vielen Jahren in der Toskana (Blick auf Siena).

Da der Platz im Schatten liegt, bleibe ich etwas länger liegen heute morgen. Nach einem Anruf bei einem Dachgeber habe ich für heute abend meinen Übernachtungsplatz sicher und so fahre ich gemütlich los. Wunderschöne Strecke mit vielen Korkeichen. Einige Arbeiter machen gerade die Rinde ab. Interessant auch das einmal anzusehen. Die Fahrt geht parallel an der Küste entlang. Porto Covo – ein typischer Touristenort, aber schön gelegen mit kleinen Stränden zwischen den Felsen. Ich lasse das Rad wieder unter einem Schattendach stehen und gehe zum Strand für eine Weile. Nachdem ich danach etwas gegessen habe, fahre ich am späten Nachmittag wieder los. Es ist Sonntag, viele Portugiesen sind mit dem Auto unterwegs. In Vila Nova de Milfontes trifft mich fast der Schlag – wegen einer Veranstaltung ist hier alles voll mit Leuten. Aber auch hier ein toller Strand und super Aussicht. Jetzt muss ich nur noch meinen Dachgeber finden, was mir dank der Dame im Touristenbüro auch schnell gelingt. Sylvain, ein französischer Radler lebt seit einigen Jahren hier und abends gehen wir zusammen in sein Stammlokal Pizza essen!

Heute morgen muss ich auch früh aufstehen, denn Sylvain muss zur Arbeit. So frühstücke ich an der Strandpromenade mit Blick auf das Meer und die Bucht. Es gibt schlechtere Plätze ….

Auf kleinen Straßen geht es jetzt die Küste entlang: Almograve mit Strand und Klippen, Wanderweg entlang der Küste oder Capo Sardao – der einzige Platz in Europa, wo Störche auf Felsklippen brüten. Es sind nicht sehr viele – aber das anzusehen ist ein Erlebnis. Oder der Strand von Zambujeira de Mar …..

Später geht es wieder auf die Hauptstraße nach Odeceixe, einem schönen Ort, den man am besten zu Fuß entdeckt. Danach erst mal eine lange Steigung hochschieben, bevor es wieder flacher wird. Es bewölkt sich und leichter Niesel vom Meer setzt ein. Doch schon kurze Zeit später scheint wieder die Sonne. Wie in Deutschland eben….

In einem Waldstück, wo sich aber auch Häuser befinden, frage ich an einem Haus ob ich gegenüber zwischen Nadelbäumen zelten kann. Der Mann hat nichts dagegen. Später bringt er mir noch zwei Bananen und eine halbe Melone. Dabei stellt sich heraus, dass er Deutscher ist und aus Hamburg stammt. Der Wind macht die Nacht sehr erträglich und so radle ich am nächsten Morgen die wenigen Kilometer bis nach Aljezur. Am Ortseingang ein Markt, hier decke ich mich gleich mit frischem Obst ein. Auch dieser Ort gefällt mir sehr gut und auch hier wieder eine Burg, die alles überragt. In Carrapateira ist ein großer Sandstrand mit Dünen und einem Aussichtspunkt auf einem Felsplateau. Von Vila de Bispo fahre ich mit Rückenwind die 8 km bis nach Sagres. Hoch oben befindet sich eine Festungsanlage. Die Aussicht reicht zu einem Sandstrand und bis zum äußersten Zipfel Portugals, dem Capo de Sao Vicente. Die Fahrt dorthin erspare ich mir, denn die Rückfahrt von Sagres nach Vila de Bispo zeigt mir wie der Wind hier bläst….

Erst nach Vila de Bispo auf der Strecke in Richtung Lagos habe ich den Wind an der Seite bzw. im Rücken. Heute habe ich mich was die Streckenlänge betrifft etwas verschätzt, denn mein Endziel Lagos erreiche ich erst nach 98 Kilometern…

Nach einem kurzen Einkauf finde ich nach einigem Fragen die Adresse von Peter, den ich vor einigen Jahren bei seinem Besuch in Südfrankreich kennen gelernt habe. Bei ihm kann ich zwei Tage bleiben und hier bleibt das Rad solange stehen.

Fischeinkauf auf dem Markt, Bummel durch das Zentrum und Spaziergang entlang zweier Strände sowie Ausruhen stehen auf dem Programm.

Teil 4 (Lagos/Portugal – Tarifa/Spanien – Tanger/Marokko – Sète/Südfrankreich)

Nach der Verabschiedung bei Peter am frühen Morgen fahre ich los, bei Portomao habe ich den 3 000. Kilometer dieser Tour erreicht…

In der Nähe von Loule halte ich Ausschau nach einem Übernachtungsplatz. Gar nicht so einfach heute. Auf einem Grundstück mit Olivenbäumen frage ich einen Mann und nach anfänglichem Zögern kann ich das Zelt auf dem “Acker” aufschlagen. Die Hunde in der Umgebung gehen mir mit ihrem ständigen Bellen auf die Nerven.

Früh geht es am folgenden Tag wieder los und die Fahrt hält wieder einige Anstiege bereit. Tavira ist ein schöner Ort an der Algarve und fast noch schöner ist heute mein Rad-Abstellplatz unter einem Schattendach auf dem Hausparkplatz einer Pousada. So kann ich in aller Ruhe die Stadt und die Burg zu Fuß besichtigen. Bei einem Inder esse ich etwas und ruhe eine Weile aus. Es ist sehr warm und ich komme richtig ins Schwitzen.

Beim Strand von Mata Ruta nehme ich ein kurzes Bad im Meer bevor ich weiter fahre. Villa Real de San Antonio ist Grenzstadt zu Spanien und hier bekomme ich gerade noch die letzte Fähre zum Übersetzen nach Spanien. Dort ist es seine Stunde später und ich muss jetzt noch einen Übernachtungsplatz finden. Bei den letzten Häusern von Ayamonte frage ich eine Frau und diese verweist mich auf ein “rotes Haus” einen Kilometer weiter.

Erst denke ich an ein Ablenkungsmanöver als ich dort am “Immigrantenheim des Roten Kreuzes” ankomme. Aber man nimmt mich hier tatsächlich für die Nacht auf. Mit einer Dusche und einem  Zimmer habe ich gar nicht gerechnet. Immigranten sind übrigens keine im Haus…

In der Nacht kann ich aber schlecht schlafen, da es sehr warm im Zimmer ist. Viel Verkehr, viele Scherben entlang der Straße auf dem Weg in Richtung Huelva. Anfangs noch etwas Wind, dann nur noch Hitze. Schwierig die Einfahrt nach Huelva zwischen Autobahn und Fluß. Nach einer längeren Hitzepause in der Stadt geht es mit Rückenwind weiter bis Niebla. Dort befindet sich eine große Befestigungsanlage und ganz in der Nähe schlage ich das Zelt an einem versteckten Platz auf. Die Heringe brauche ich gar nicht erst zu probieren; der Boden ist hart. Ich hole große Steine – Wind ist keiner vorhanden. Das genügt zur Befestigung. Abends mache ich noch einen Rundgang durch die oben liegende Altstadt.

Gestern waren es über 90 Kilometer; heute werden es am Ende über 100 Kilometer sein. Das schlaucht bei der Hitze. Als ich Sevilla erreiche sind es bereits 36 Grad im Schatten, sofern welcher zu finden ist. Eine Stadtbesichtigung mache ich daher nur kurz; lieber ruhe ich mich im Park aus. Im übrigen war ich schon einmal hier ohne Fahrrad. Gegen 17 Uhr versuche ich die Stadt zu verlassen; ein Thermometer an einer Apotheke zeigt 40 Grad an…

Man schickt mich wieder mal hier mal dort hin und irgendwann bin ich auf dem richtigen Weg Richtung Dos Hermanas. Es gibt sogar teilweise einen Radweg, was angesichts des Verkehrs sicher keine schlechte Idee ist. Am Ortsausgang finde ich einen “Park” mit Olivenbäumen und dazwischen schlage ich mein Zelt auf. Ein Mann bringt mir sogar Wasser. So besteht die Dusche heute sogar aus 3 Litern Wasser….

Als die Sonne morgens ins Zelt scheint wird es allerhöchste Zeit los zu fahren. Auf der Nationalstraße in Richtung Cadiz gibt es viel Schwerlastverkehr, zum Glück eine breite Standspur zum fahren. Dennoch bin ich froh; nach über 50 km auf eine kleinere Straße abbiegen zu können. Jetzt kommen einige Anstiege und nach Espera muss ich hoch schieben. Hier esse ich etwas zu Mittag in einem Restaurant und ruhe mich in einem Park aus. In Arcos de Frontera mache ich einen Rundgang in der Stadt und genieße die Aussicht; bevor ich außerhalb der Stadt mitten auf einem Feldweg den einzigen möglichen Zeltplatz finde. Der Ausblick von hier oben auf  Stadt und Umgebung ist traumhaft, der Wind der heute Nacht fast Sturmstärke erreicht allerdings weniger.

Wegen des Windes schlecht geschlafen. Die Müdigkeit liegt mir in den Knochen als ich morgens  in Richtung Medina-Sidonia und Vejer de la Frontera los fahre. Heute habe ich teilweise extremen Gegenwind. Nur mit Mühe kann ich das Rad in der Spur halten. Mehrere Male werde ich fast in die Leitplanke oder den Strassengraben gedrückt.

Da Medina-Sidonia hoch oben liegt; beschließe ich bis an die Küste nach Barbate weiter zu fahren. Nach einer kurzen Strandbesichtigung, der Wind bläst mich fast um, finde ich in einem Waldstück nahe des Fussballstadions einen versteckten Platz für das Zelt heute Nacht. Nur die zahlreichen Schnaken finden mich sofort und lassen mich kaum zur Ruhe kommen.

Das Frühstück verschiebe ich heute morgen auf später, da ich wegen der Schnaken den Platz fluchtartig verlasse. Die Strecke bis Zahara de los Atunes zieht sich mit zum Glück weniger Wind als gestern in die Länge. Dort hole ich dann am Strand das Frühstück nach. Die letzten 40 Kilometer bis Tarifa sind wieder ein Kampf gegen den Wind. Ein Wahnsinn! Tolle Strände vor Tarifa und jede Menge Kiteboards auf dem Meer im Wind. Ein kurzes Stück in Tarifa habe ich Rückenwind. Ich beschleunige aus dem Stand auf 35 km/h! In Tarifa kaufe ich noch Wasser und Proviant und fahre dann gleich zum Hafen, wo ich eine Fähre nach Tanger in Marokko nehme.

Bei der Einreise am Hafen in Tanger muss ich eine Radtasche öffnen; aber als ich die Frage nach Waffen verneine, winkt man mich durch. Kaum habe ich die Straße überquert kommt schon ein Mann und fragt was ich suche. Wenige Minuten später bringt er mich zu einem Hotel; in dem ich gleich bleibe. Es ist sauber, das Zimmer groß; Blick auf Hafen und Meer und mitten in der Altstadt. Genau der Ort zum Ausruhen den ich jetzt brauche. Nach kurzer Diskussion kann ich das Fahrrad in eine Abstellkammer stellen und von nun an werde ich hier behandelt wie der König persönlich.

Heute Abend ist hier Ende des Ramadan und entsprechend viel los ist in der Stadt. Eine andere Welt!

Ich verbringe einen ruhigen Tag in Tanger und bei einer Überprüfung meines Schiffstickets und der Abfahrtsstelle, muss ich feststellen, daß es noch einen zweiten Hafen in Tanger gibt! Dabei stellt sich dann heraus, dass mein Schiff von diesem neuen Hafen, der 45 km von Tanger entfernt liegt, ausläuft. Das bedeutet, daß ich am nächsten Tag doch noch eine Strecke mit dem Rad fahren muß und die Straße führt entlang der Küste ständig auf und ab. Nur mit Mühe finde ich wegen des Ramadan noch kurz vor dem Hafen  eine Möglichkeit zum Essen.

Das Einschiffen geht problemlos und dann heißt es erst einmal neben den schon stehenden Autos zu warten. Ich schaue mir die Autos genauer an und ziehe nun die “Weißrußland/Belarus-Nummer aus meiner Schublade”. Das bedeutet, ich versuche eine Mitfahrgelegenheit nach der Ankunft in Südfrankreich in Richtung Deutschland zu finden. Nicht einfach, denn die meisten Autos sind natürlich voll beladen. Es sind meist Marokkaner, die nach Heimat/Familienbesuch nach Frankreich zur Arbeit oder Familie zurück kehren. An Hand der französischen Autokennzeichen und Departments, die ich ja von der Zeit in Südfrankreich her gut kenne, fällt es mir nicht schwer die Wahl schnell zu begrenzen.

Ein Mercedes-Sprinter fällt mir dabei besonders ins Auge. Ist er voll beladen oder nicht? Ich frage den Fahrer als erstes wo er denn hinfährt. Nach Montbeliard – nicht mehr weit vom Elsaß entfernt. Das würde mehr als passen. Und meine zweite Frage, ob das Auto beladen ist, beantwortet er mit “nein”. Am Ende des Gesprächs stellt sich heraus, daß er Kurierfahrer ist und das Auto jetzt fast leer ist. Er ist bereit mich für 50 € nach Montbeliard mitzunehmen. So habe ich mir das mehrfache Umsteigen beim Zugfahren erspart und günstiger ist es auch noch.

Auf dem Schiff teile ich mir eine 4-Bett-Kabine mit drei Marokkanern. Essen für unterwegs hätte ich mir sparen können.  Alles wird hier mit jedem geteilt. Nachts schlafe ich schlecht – die Klimaanlage, die Enge, das ist nicht mein Ding. Nach einer weiteren Nacht legt das Schiff pünktlich um 9 Uhr morgens in Séte, Südfrankreich an.

 

Teil 5 (Sète/Südfrankreich – Montbéliard – Elsaß – Pfalz – Nürnberg – Amberg – Tschechien)

Ich bin der erste, der das Schiff in Sète verlassen kann und warte auf “meinen” Fahrer. Nach einer Weile kommt er und wir verladen das Rad und die Packtaschen und los geht die Fahrt.

Gegen 17 Uhr abends erreichen wir Montbeliard und er setzt mich neben einem Lidl-Markt ab, wo ich erst einmal Proviant einkaufe und mich umziehe. Dann radle ich noch etwa 15 km und in Fesches le Chatel finde ich eine kleine Grasfläche in der Nähe eines Brunnens vor einem unbewohnten Haus. Hier schlage ich für heute Nacht das Zelt auf.

Nach dem Frühstück vor Ort radle ich los, ich bin froh, dass ich mich wieder bewegen kann. Einige kurze, aber kräftige Steigungen und dann komme ich an den Canal du Rhone au Rhin. Die Morgenstimmung und das Licht, der Blick auf die Vogesen lassen das Radlerherz höher schlagen. Von nun an rolle ich fast 30 km entlang des Kanals bis nach Mulhouse. Der Weg in der Stadt führt direkt zum Bahnhof. Da ich noch einen SNCF-Gutschein habe, will ich den einlösen, bevor er am Jahresende verfällt. Ich kaufe eine Fahrkarte über Strasbourg nach Haguenau und zahle nach Abzug des Gutscheinbetrages genau 0,80 €.

Die Fahrt mit dem Zug geht zunächst nach Strasbourg und hier nehme ich erst einmal eine Stärkung zu mir. Mit dem Rad unternehme ich dann noch eine kleine Stadtbesichtigung, bevor ich wieder mit dem Zug weiter fahre bis Haguenau. Auch hier mache ich eine kleine Besichtigung und fahre dann in Richtung Weißenburg/Wissembourg weiter. Viel Verkehr herrscht auf der Straße. Beim Fahren merke ich gar nicht, daß sich der Himmel verdunkelt hat und es plötzlich anfängt zu regnen. Mit Regen habe ich nicht gerechnet, seit Portugal war das kein Thema mehr. Jetzt erst merke ich, daß ich mich wieder umstellen muss. Vor einer Kirche, die auf einem Hügel steht, stelle ich mich erst einmal unter. Leider ist die Kirche verschlossen, sonst hätte ich meinen Übernachtungsplatz für heute schon gefunden. Also esse ich erst einmal zu Abend und fahre dann bei leichtem Nieselregen nach Soultz-sous-Foret.  Da ich hier keinen passenden Platz für die Nacht finde, fahre ich noch ein Stück weiter und in Schoenenburg biege ich in eine Seitenstraße ein. Am Ende der Straße steht ein Unterstellschuppen für landwirtschaftliche Geräte. Aber alles ist zugestellt. Ein Obstbaum in der Nähe bietet eine freie Grasfläche und so schlage ich hier das Zelt auf. Alles ist bereits naß, aber ich habe keine andere Wahl heute.

Nachts wache ich auf, weil der Regen auf das Zelt prasselt. Aber es regnet zum Glück nicht sehr lange. Der Zeltabbau morgens ist etwas unangenehm, weil alles naß ist und sich zahlreiche Nacktschnecken an der Außenwand des Zeltes verkrochen haben. In Schoenenburg – der Ort ist wirklich schön – frühstücke ich in einem Fachwerk-Bushäuschen. Eine Seltenheit.

Wieder eine schöne Morgenstimmung bei der Fahrt über Riedseltz nach Weißenburg. Unterwegs beim Geisberg (Schlachtfeld im dt.-fr. Krieg) gibt es die Möglichkeit Erdbeeren selbst zu pflücken. Und da kann ich nicht widerstehen…

Nach einem kurzen Rundgang durch Weißenburg (ich war schon mehrfach hier) fahre ich weiter durch die Südpfalz bis Kandel. Hier trockne ich erst einmal das Zelt und die Folie, esse zu Mittag und nach einer Ruhepause geht es über Rheinzabern, Rülzheim nach Germersheim. Hier besuche einen Bekannten in einem Fahrradgeschäft und dann geht es über Lingenfeld, Schwegenheim, Harthausen, Hanhofen durch den Wald nach Iggelheim zu meiner Mutter. Hier bleibe ich drei Tage und läute ich dann die letzte Runde dieser Radreise ein.

Am frühen Montag morgen verlasse ich die Pfalz und über Altlußheim, Reilingen, Rauenberg und Sinsheim fahre ich nach Bad Rappenau. Ein schöner Ort mit Kurpark und einem Wasserschloß. Danach geht es entlang des Neckars bis Heilbronn. Da ich viel auf Radwegen fahre, zieht sich die Strecke heute in die Länge und als ich bei Andreas in Heilbronn ankomme, zeigt die Tachonadel 111 km an. Ein Bier mit Blick auf den Neckar und ein Eis und die Anstrengung von heute ist später wieder vergessen.

Bei sonnigem und sehr warmen Wetter erklimme ich am nächsten Morgen die Höhe von Weinsberg und fast ausschließlich auf Radwegen (was für ein Luxus!) komme ich zur Mittagszeit in Öhringen an. Hier ist gerade die Landesgartenschau im Ort und so falle ich als Tourist überhaupt nicht auf. Nach Neuenstein (Schloß) verfahre ich mich kurz vor Waldenburg tatsächlich im Wald und erst später finde ich die richtige Straße hoch hinauf zum Schloß. Ganz schön steil dieser Anstieg – ich komme völlig außer Atem. Es folgt eine schöne Abfahrt und über Gnadenthal geht es durch den Wald bis kurz vor Schwäbisch Hall. Hier in der Nähe der Stadt übernachte ich heute bei einem Dachgeber, einer sehr netten Familie.

Nach einem leckeren Frühstück bin ich bald in Schwäbisch Hall, wo ich einen Stadtrundgang mache. Ein sehenswerter Ort mit vielen Fachwerkhäusern. Es geht nun eine Zeit lang auf dem Kocher-Radweg bis Geislingen am Kocher, wo ich den Radweg verlasse. Und jetzt muss ich erst einmal eine Weile das Rad schieben, so steil geht es hoch hinauf in den Wald. In Wolpertshausen ist Zeit für eine Pause und ein Mittagessen. Die Frage an einige Passanten, wo denn hier der Radweg nach Kirchberg an der Jagst beginnt, kann mir niemand wirklich beantworten. Kaum bin ich jedoch 50 Meter gefahren entdecke ich ein Hinweisschild…

Auch Kirchberg lohnt eine Besichtigung und erst danach fahre ich weiter nach Rot am See. Im Ort decke ich mich mit Proviant und Wasser ein, bevor ich weiter fahre. Über Brettheim, Hausen und Insingen komme ich nach Diebach. Ab hier steigt es wieder deutlich an und ich muss einige Passagen schieben. In Faulenberg reicht es mir für heute und in einer Seitenstraße finde ich neben einem Haus eine Streuobstwiese, die sich zum Übernachten anbietet. Ich frage am Haus, ob ich das Zelt dort aufschlagen kann und der Mann sagt sofort zu. Der Mann bringt mir noch zwei Flaschen Mineralwasser und eine Flasche Cola – eine nette Geste. Der Zeltplatz selbst ist für mich nach den trockenen, staubigen oder steinigen Plätzen in Spanien vor kurzem der reinste Luxus. Grünes, sattes und weiches Gras! Am  Abend werde ich von einem Nachbarn noch zu einem Bier bei der örtlichen Feuerwehr eingeladen!

Nach dem Frühstück auf einer Bank im ersten Sonnenlicht fahre ich bei traumhaftem Wetter fast ohne Autoverkehr durch eine wunderschöne Landschaft und schmucken Dörfern bis Gräfenbuch. Ein langer Anstieg vor Flachslanden fordert alle Kraft, doch danach rollt es sich wieder leichter auf dem “Bibert-Radweg”. Nach einer  Pause in Dietenhofen komme ich nach Cadolzburg und dank eines Rennradlers finde ich später einen Weg durch den Wald über Weiherhof nach Zirndorf. Über Zirndorf komme ich dann nach Fürth und hier muss ich die Adresse meines heutigen Dachgebers finden. Das Problem löst sich aber im wahrsten Sinne des Wortes sehr schnell, weil ein einheimischer Radler mit mir fährt und mir den Weg zeigt. Allerdings fährt er so schnell, daß ich größte Mühe habe mitzuhalten. Außer Atem erreiche ich dann meinen Dachgeber, einen ehemaligen Arzt mit seiner Frau. Auch hier werde ich wieder verwöhnt und abends sehen  wir uns in Fürth das EM-Fußballspiel Frankreich – Deutschland an …

Nachdem mir Uli, der Dachgeber den weiteren Weg perfekt erklärt hat, finde ich mühelos den Weg bis nach Nürnberg. Hinter einem Anwesen stelle ich das Rad von außen nicht einsehbar, ab und mache einen Stadtbummel zu Fuß und zur Burg.

Entlang der Pegnitz und dann durch den Wald führt die weitere Strecke bis Lauf. Auch ein sehenswerter Ort mit Fachwerkhäusern und Schloß. Ebenso Hersbruck, wo ich noch eine Pause mache. Die Strecke heute ist viel länger als gedacht und so sind es allein bis Amberg noch 11 km. Und von hier aus habe ich noch weitere 5 km zu meinen heutigen Dachgebern zu fahren. Und nach 104 km komme ich endlich in Kümmersbrück an.  Eine Dusche und ein warmes Abendessen entschädigen dann für die lange Fahrt.

Dank meines Dachgebers folge ich einem lokalen Radweg, dem “Schweppermann-Radweg” ohne Autoverkehr. Eine lange Strecke führt durch den Wald und hier entdecke ich Heidelbeeren, die reif sind! Was für ein Genuss – schon seit ewigen Zeiten habe ich keine mehr gegessen oder gepflückt! Anschließend kaufe ich in Schwarzenfeld noch Proviant ein – eine gute Entscheidung, denn später ist alles geschlossen am heutigen Samstag. Entlang der Nab fahre ich nach Nabburg, wo ich nach einem Rundgang Mittagspause mache. Bei Pfreimd beginnt ein Radweg, der sich unterwegs öfters verliert. Dennoch ist es eine schöne Strecke. Kurz vor Ende des Tages verfahre ich mich noch und lande in Vohenstrauß, obwohl ich da eigentlich nicht hinfahren wollte. Aber auch von dort aus gelange ich wieder in meine Richtung. In Moosbach baue ich nach Befragen des Eigentümers das Zelt auf einem unbebauten Grundstück, das frisch gemäht wurde, auf.

Früh bin ich heute morgen schon wach und das Zelt ist feucht, als ich es abbaue. Im Kurpark des Ortes frühstücke ich, bevor es weiter geht nach Eslarn. Kurz danach kommt die Grenze zu Tschechien und die Strecke steigt an. Lange geht die Fahrt durch den Wald bis Bela nad Radbuzou. Hier mache ich eine Pause und trockne das Zelt. Auf Straßen ohne viel Autoverkehr komme ich langsam aber sich zur “neuen Heimat” nach Vévrov in Tschechien.

Meine Radreise durch Frankreich, Spanien, Portugal und Deutschland ist nach 4 393 Kilometern  beendet.

Mit den besten Grüssen

Hans Jürgen

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